Der aufrechte Gang und das Tragen von Schuhen mögen Errungenschaften der menschlichen Entwicklung sein - aber dem Orthopäden sind sie ein rechter Graus: "Es gibt praktisch keinen Menschen ohne Kreuzschmerzen", schildert der Arzt Dr. Thomas Stumptner aus Pegnitz die Erfahrungen aus seiner Sprechstunde. Diese Probleme ließen sich leicht beheben, versichert der Mediziner, wenn die Menschen nur barfuß auf weichem Boden laufen würden.
Das ist natürlich pure Illusion. Nach einem anderen Ausweg sucht das Konzept der Propriozeption: Über Spezialeinlagen werden die Fußsohlen stimuliert - ähnlich wie beim Gehen ohne Schuhe -, um auf diese Weise die Muskeln anzuregen und den ganzen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. "Damit wird die Ursache des Problems behandelt und nicht nur, wie bei schmerzstillenden Spritzen oder Gymnastik, die Symptome", betont Stumptner. Die Einlagen müssen genau angepasst werden, um die körperlichen Defizite, auch im Fuß selbst, auszugleichen. Dazu dient moderne Video-Technik, die so genannte 3-D-Analyse. Ein Computer wertet die optischen Bilder aus - Strahlenbelastung entsteht auf diese Weise nicht - und kann anhand eines Rasters millimetergenau die Lage der Wirbelsäule bestimmen und andere Haltungsprobleme wie einen Beckenschiefstand erkennen.
Ein Selbstversuch zeigt: Die Einalgen verbessern auch bei einem eher skeptischen Menschen, wenigstens rein subjektiv, die körperliche Kraft, der Gang wird gerade. Den Nutzen für den Patienten bestätigt auch der Orthopäde Dr. Jörg-Ullrich Schierholz, Wirbelsäulenexperte an der Fürther Euromed-Clinic: "Noch innovativ", sagt er über die Methode, "aber durchaus Erfolg versprechend".
Die Spezialeinlagen wurden in Italien entwickelt und sind weich und elastisch. Sie sollen möglichst häufig in bequemen Schuhen getragen werden. Sie sind allerdings teuer und die Kosten von rund 220 Euro werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Dazu kommen noch Diagnosekosten in Höhe von 200 Euro, die ebenfalls der Patient selber tragen muss. Allerdings, alle Probleme sind mit den Einlagen nicht automatisch gelöst, gibt Schierholz zu bedenken: Bewegungsmuffel tun trotz Einlagen gut daran, sich zu überwinden und mit einem Bewegungsprogramm zusätzlich gegen ihre körperlichen Beschwerden anzugehen. DIETER SCHWAB